Irrtümer zur Akku-Nutzung – So geht’s richtig

Leerer-Akku

Die Lebensdauer eines Akkus wird durch falsches Laden unnötig belastet. Durch beachten der richtigen Ladezyklen lässt sie sich deutlich verlängern. Durch ständig wechselnde Bauweisen und Verbesserungen der Akkutechnik kursieren verschiedene Gerüchte im Fachhandel als auch beim Endverbraucher, über die wir euch aufklären wollen. Wir räumen mit den größten Irrtümern auf.

Was ist ein Ladezyklus?

Ein Ladezyklus entspricht einer gänzlichen Ladung und Entladung des Akkus, die aber nicht am Stück erfolgen muss. Wird der Akku bei einem Stand von 50% voll aufgeladen, entspricht das einem halben Ladezyklus. Wenn der Akku dann noch einmal bei 50% aufgeladen wird entspricht das einem vollständigen Ladezyklus. Die Lebensdauer eines iPhones zum Beispiel beschreibt Apple wie folgt: „Deine Batterie ist so entwickelt, dass sie nach 500 vollständigen Ladezyklen noch bis zu 80% ihrer Originalkapazität behält.“

Kälte und Hitze

Bei extremen Kälte- oder Hitzetemperaturen erhöht sich die Akkubelastung enorm, was zu einer geringeren Lebensdauer führen kann. Es sollte generell auf das Laden bei außerordentlicher Hitze oder Kälte verzichtet werden.

Mythos 1: Überhitzung, Überladung und Kurzschluss durch Laden des Akkus

Allein durch Laden des Akkus können keine Überhitzungen, Überladungen und Kurzschlüsse entstehen. Die heutigen Akkus verfügen über eine sogenannte Ladeelektronik, die solche Probleme verhindert. Voraussetzung dafür ist, dass die Ladeelektronik einwandfrei funktioniert, dass heißt das Ladegerät ordnungsgemäß angeschlossen ist und keine billige Fälschung ist.

Mythos 2: Immer vollständig Laden/Entladen

Bei vollständigem Laden und Entladen wird der Lithium-Ionen Akku stark belastet, was die Lebensdauer stark beeinträchtigt. Bewegt man sich beim Ladezustand immer zwischen 20% und 80% bleibt der Ladezustand immer im Mittelfeld (80/20 Regel). Die Belastung für den Akku wird geringer und die Lebensdauer wird erhöht. Außerdem sollten Ladungen von 0% bis 20%, sowie 80% bis 100% vermieden werden. Das heißt: Auf kurze Ladedauern möglichst verzichten und nur innerhalb des Mittelfelds aufladen.

Ein Smartphone permanent am Ladegerät hängen zu lassen hat folgende Auswirkung: Wenn der Ladezustand 100% erreicht, wird das Laden entweder unterbrochen, bis der Zustand meist 95% erreicht oder es wird eine sehr geringe Menge Strom, sogenanntes Erhaltungsladen, geliefert, bis der Zustand meist 95% erreicht. In beiden Fällen eine starke Belastung für den Akku besonders im letzten Drittel des Ladevorgangs.

Mythos 3: Ich kann meinen Akku trainieren, indem ich ihn mehrfach vollständig entlade und dann mindestens 12 Stunden wieder auflade.

Auch dabei handelt es sich um einen Mythos. Der Akku lässt sich in keiner Form trainieren. Besonders beliebt ist diese Vorgehensweise bei neuen Akkus. Dieser Gedanke ist veraltet und galt noch zu Zeiten des Nickel-Cadmium-Akkus, der in diesem Form trainiert bzw. neukalibriert werden konnte. Hier gilt weiterhin die 80/20 Regel. Oft soll mit diesem „Training“ auch die Akkustandsanzeige bei Neugeräten kalibriert werden können. Bei Neugeräten müssen sich Akku, Ladeelektronik und Software erst aufeinander abstimmen, dazu müssen die ersten Ladezyklen durchlaufen werden, jedoch sollte dies nicht erzwungen werden. Außerdem dürfte sich die Akkuanzeige nur minimal verändert haben beziehungsweise etwas genauer geworden sein.

Mythos 4: Den Akku nur Aufladen wenn er leer ist, sonst könnte mir der falsche Akkustand angezeigt werden.

In heutigen Endgeräten wie Smartphones, Tablets und Notebooks werden ausschließlich Litium-Ionen-Akkus verbaut. Der heutige Lithium-Ionen-Akku enthält kein Eisenphosphat mehr weshalb dieser sogenannte „Memory-Effekt“ der Vergangenheit angehört. Sollten trotzdem Probleme mit der Akkustandsanzeige auftreten ist der Akku höchstwahrscheinlich defekt und er sollte schnellstens getauscht werden.

Zusammenfassung: Was muss ich beachten?

  • Den Akku gemäß der Faustregel 80/20 permanent zwischen 80% und 20% halten
  • Aufladen bei extremer Hitze oder Kälte vermeiden
  • Den Akku nicht „kurz“ von 0% auf 20% aufladen
  • Den Akku nicht „kurz“ von 80% auf 100% aufladen
  • Die Akkuanzeige kann nicht durch zu viel Aufladen beeinträchtigt werden
  • Ladegerät nach erfolgter Ladung entfernen
  • Hochwertige Ladegeräte nutzen

Schnelles Laden

Fast alle modernen Lithium-Ionen Akkus verfügen in Verbindung mit der gebräuchlichen Ladeelektronik über ein Schnellladeverfahren. Der Akku wird so besonders schnell auf circa 80% gebracht, was dem Komfort des Nutzers dienen soll. Danach erfolgt eine Erhaltungsladung, die deutlich länger dauert, da der elektrische Strom verringert wird, um die Lebensdauer zu verlängern. Soll das Smartphone einmal besonders schnell laden, empfehlen wir es dabei auszuschalten. So kann sich der Ladezyklus einzig auf die Akkuladung konzentrieren.

Die richtige Lagerung

Solltet ihr euer Gerät einmal längere Zeit nicht benutzen, empfiehlt es sich den Akku zu entfernen, kühl zu lagern und nur zu 50% aufzuladen. Nach 6 Monaten sollte man ihn dann wieder zu 50% aufladen.

Kosten eines Akkutauschs

Falls der Akku außerhalb der Herstellergarantie „nachlässt“, kostet ein Akkutausch bei einem Apple Gerät circa 70€ -100€ (inkl. Versandkosten). Natürlich könnt ihr auch nach einem Anbieter in eurer Nähe suchen. Andere Nutzer können meist den Akku selbst tauschen und sollten dabei nur beachten, dass es sich um einen neuen Original-Akku des Herstellers handelt. Hierbei entstehen Kosten von circa 10€ – 30€.

Akkulaufzeit im Notfall verlängern

Allgemein lässt sich die Akkulaufzeit durch folgende Maßnahmen verlängern:

  1. Schließt alle Apps, die nicht länger benötigt werden. Die Apps bleiben für kurze Zeit im Hintergrund aktiv und belasten unnötig den Akku, nach kurzer Zeit werden die Apps automatisch eingefroren.
  2. Die Automatische Helligkeit abschalten und die dunkelste Einstellung wählen.
  3. WLAN, Bluetooth und GPS abschalten, wenn man es nicht braucht.
  4. Falls man mit dem Öffentlichen Nahverkehr fährt und eine App dafür benutzt, die einem den Fahrtweg anzeigt, ist es am besten, einen Screenshot von der Routenübersicht zu machen und das Foto als sein Hintergrundbild zu wählen. Anschließend kann man auch diese App schließen und beim Umsteigen o.ä. alles wichtige auf dem Homescreen sehen, ohne das Smartphone entsperren zu müssen.
  5. Im Notfall Push-Nachrichten und mobile Datenverbindung abschalten.

Um die Akkulaufzeit eurer Apple Geräte zu verlängern, hat Apple dazu diesen Artikel geschrieben. Samsung User finden hier Details über die Akku-Nutzung.

Was uns erwartet

Statt auf Lithium zu setzen, werden wir in Zukunft womöglich Akkus auf der Basis von Aluminium verwenden. Forscher der Stanford-University arbeiten zurzeit daran, einen solchen Akku serientauglich zu machen. Die Vorteile eines Akkus mit Aluminium liegen auf der Hand:

  • Der Aluminium-Akku lässt sich unglaublich schnell laden (Bei einem Smartphone innerhalb einer Minute!).
  • Aufgrund seiner Elastizität ist der Aluminium-Akku biegsam und kann somit einfacher in ein Smartphone eingebaut werden.
  • Beim Aluminium Akku bleibt die Leistungsfähigkeit auch nach rund 7500 Ladezyklen voll erhalten.

Wir bleiben gespannt und halten euch auf dem Laufenden!

1 Kommentar

  1. Super Post! Vielen Dank, dass Sie den Mythos ein für allemal widerlegt haben.
    Es entsteht so viel Verwirrung durch die falschen Informationen.

    Verfasst von Steven am

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