Update | Urlaubsfotos auf Facebook und Co. könnten zukünftig zu Abmahnungen führen

Urlaubsfotos auf Facebook und Co. könnten zukünftig zu Abmahnungen führen

Das EU-Parlament sieht in einem aktuellen Berichtsentwurf vor, die sogenannte Panoramafreiheit einzuschränken. Damit könnten Urlaubsbilder von Gebäuden und Kunstwerken, die in soziale Netzwerke hochgeladen werden, zu Abmahnungen führen.

Die Panoramafreiheit beschreibt das Recht eines Jeden, Fotos von urheberrechtlich geschützten Gebäuden oder Kunstwerken, die von öffentlichen Plätzen aus gemacht wurden, zu veröffentlichen. Die Panoramafreiheit gilt in vielen Staaten der EU, Frankreich und Italien ausgeschlossen. Fotos des Eiffelturms bei Nacht dürfen nicht von einem Fotografen kommerziell verwendet werden. Dafür benötigt er vorher die Genehmigung der Gesellschaft für die Lichtinstallation, da diese die Urheberrechte an der Beleuchtung besitzen. Oft gibt es auch Beschränkungen, unter anderem ausschließlich auf Gebäude oder nur für die nichtkommerzielle Nutzung.

Panoramafreiheit in der EU

Panoramafreiheit in der EU (Quelle: Wikipedia.org)

Das Europaparlament diskutiert aktuell über die Einschränkung der Panoramafreiheit. Dabei soll jede gewerbliche Nutzung die vorherige Einwilligung der Urheber voraussetzen. Der Knackpunkt allerdings ist die Auslegung der gewerblichen Nutzung. So können Anwälte schon das Veröffentlichen auf Facebook als gewerbliche Nutzung auslegen, da Facebook eine kommerzielle Plattform darstellt. Unterstützend ist die Tatsache, dass jedes hochgeladene Foto, laut den AGB, von Facebook kommerziell genutzt werden darf. Das könnte zu Massenabmahnungen der privaten Facebook-Nutzer führen. Der private Nutzer müsste nach in Kraft treten der Einschränkung also besonders vorsichtig bei Urlaubsbildern und dergleichen sein. Alleine ein im Hintergrund urheberrechtlich geschütztes Gebäude könnte dann schnell teurer als der ganze Urlaub werden.

Der prominenteste Gegner dieses Entwurfs ist Wikipedia. Durch die geplante Änderung könnten viele Bilder sein. Zum Widerstand gehören auch die Piratenpartei und diverse Journalistenverbände, die sich aktuell mobilisieren und in einer Initiative vor Folgen einer Einschränkung der Panoramafreiheit warnen. Gerade da nicht klar definiert ist was private und kommerzielle Nutzung im Internet darstellt sieht Wikipedia zwischen 100.000 und 1.000.000 Bilder auf eigenen Seiten bedroht.

Wikipedia zeigt, wie Gebäude und Kunstwerke zukünftig dargestellt werden müssten um eine Urheberrechtsverletzung auszuschließen:

Blacked_out_London-Eye-2009

(Quelle: „Blacked out London-Eye-2009“ by Kham Tran – www.khamtran.com – Derived from File:London-Eye-2009.JPG. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blacked_out_London-Eye-2009.JPG#/media/File:Blacked_out_London-Eye-2009.JPG)

Angela_Merkel_with_Blacko

(Quelle: „Angela Merkel with Blackout“ by Αντώνης Σαμαράς Πρωθυπουργός της Ελλάδας – File:Flickr – Πρωθυπουργός της Ελλάδας – Angela Merkel – Αντώνης Σαμαράς (12).jpg. Licensed under CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angela_Merkel_with_Blackout.jpg#/media/File:Angela_Merkel_with_Blackout.jpg)

Weitere Bilder findet ihr bei Wikipedia Commons.

Am 09. Juli 2015 entscheidet das EU-Parlament über die abschließende Form des Berichts. Der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, will bis September 2015 einen Gesetzesentwurf vorlegen.

 

Nachtrag vom 11.07.2015 16:00 Uhr:

Am Donnerstag hat sich eine Mehrheit des EU-Parlaments gegen eine Einschränkung der Panoramafreiheit ausgesprochen. Also dürfen in Deutschland wie bisher Gebäude ohne Genehmigung des Urhebers fotografiert werden. Aber auch im Ausland ändert sich nichts an der Gesetzeslage, weshalb u.a. in Frankreich und Italien weiterhin Einschränkungen gelten.

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